Neurorehabilitation: Langzeiterfolge im klinischen Alltag | Nervennahrung 072
Show notes
In dieser Episode des Podcasts „Nervennahrung“ beleuchten Host Prof. Mathias Mäurer und Prof. Peter Flachenecker die evidenzbasierte Wirksamkeit der Neurorehabilitation bei Multipler Sklerose (MS). Der fachliche Fokus liegt dabei auf der gezielten Behandlung der MS-assoziierten Fatigue sowie auf Strategien zur nachhaltigen Sicherung motorischer Trainingserfolge im Alltag | Nervennahrung 072
Folgende Themen werden im Verlauf des Gesprächs zwischen Prof. Peter Flachenecker und Prof. Mathias Mäurer angesprochen:
- (00:00) Intro
- (00:35) Vorstellung Prof. Peter Flachenecker
- (02:22) Klinischer Stellenwert der Neurorehabilitation
- (04:27) Therapeutische Schwerpunkte und Zielsetzungen
- (05:57) Langzeitmanagement chronisch-neurologischer Erkrankungen
- (07:12) Behandlungsstrategien in der Praxis
- (09:42) Diagnose Fatigue: Konkrete Maßnahmen für den Erfolg
- (11:27) Die zunehmende Relevanz von Sport
- (14:33) Therapiegrenzen der Neurorehabilitation
- (15:01) Negative Einflüsse durch ökonomischen Spardruck
- (16:46) Die Zukunft: Die Akzeptanz der Reha wird immer größer
- (17:26) Forschung und Ausblick in die Zukunft
- (20:21) Outro
Unser Archiv sowie weitere Episoden des Podcasts finden Sie zudem unter: https://fachportal.roche.de/services/podcasts/nervennahrung-fuer-neurologen.html
Diese Aufzeichnung stammt vom 22.06.2026. Die nächste reguläre Episode erscheint voraussichtlich am 06.08.2026.
Produzent: Patrick Aust
Bei unserem Nervennahrung-Podcast handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit uns und Ihnen teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt
Show transcript
00:00:10: Neurologische Reha ist tatsächlich erst mal störungspezifisch.
00:00:14: Es gibt mittlerweile auch ganz gute wirksamkeitsnachweise, wissenschaftliche Wirksamkeinsnachweisen.
00:00:19: das Reha wirkt aber immer nur dann wenn es eben störungspezifik ist.
00:00:24: also ich muss das trainieren üben was besser werden soll.
00:00:35: Das war mein heutiger Gast Professor Peter Flachenecker vom neurologischen Rehabilitationszentrum Quellenhof in Bad Wildbad im schönen Nordschwarzwald.
00:00:42: und richtig geraten.
00:00:44: heute geht es um Neuro-Reha Und damit begrüße ich Sie zu einer neuen Folge unseres Podcastes Nervennahrung, dem Podcast von Neurologen für Neurologen.
00:00:53: Mein Name ist Matthias Meurer und ich bin Chefarzt der neurologischen Klinik am Klinikum Würzburg-Mitte.
00:00:58: Zusammen mit meinem Kollegen Tobias Ruck, dem Direktor der neurologischen Universitätsklinik Bergmanns Heil in Bochum, moderiere ich diesen Podcast zu spannenden und aktuellen Themen der klinische Neuroologie.
00:01:09: Die Neuroreha ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung von Menschen mit Erkrankungen oder Verletzungen des Nervensystems Beispielsweise nach einem Schlaganfall, Schädelhirntrauma oder bei neurologischen Erkrankungen wie der Multiplinksklerose.
00:01:22: Ziel ist es die Selbstständigkeit, Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe der Betroffenen zu verbessern – womit er neue Rehabilitation in der Therapie neurologischer Erkrankung eine nicht zu unterschätzten Bedeutung zukommt.
00:01:35: Peter Flachennäcker ist Experte auf diesem Gebiet.
00:01:37: Nach der Facharztausbildung am Universitätsklinikum Würzburg aus dieser gemeinsamen Zeit kennen wir uns sehr gut ist die Rehabilitation des Zentrums seines Interesses in seiner wissenschaftlichen Arbeit gerückt.
00:01:48: Seit vielen Jahren leitet er den neurologischen Rehabitationsklinik Quellenhof, der Entschwerpunkt auf der Rehabelitation von MS-Patienten hat.
00:01:56: Peter Flachenecker ist Vorsitzender des Erzigen Beirats der DMSG Landesverband Baden-Württemberg Der Amsel und im Vorstand des Erzeichenbeirats des DMS G Und ist die Stimme der Rehhabilitationsmedizin in der deutschen MS-Szene.
00:02:07: Ich freue mich sehr dass er heute mein Gast ist und wir das Thema Neuroreha intensiv beleuchten können.
00:02:13: Ja, lieber Peter.
00:02:14: Herzlich willkommen im Podcast Nervenauung!
00:02:15: Schön, dass du heute da bist.
00:02:17: Vielen Dank für die Einladung und gerne auch zu diesem Thema natürlich.
00:02:22: Neuro-Rehabitation?
00:02:23: Dein Thema?
00:02:24: Ich frage einfach mal was hat dich damals bewogen in die Reha zu gehen also von der Akutmedizin weg?
00:02:30: Ja, das ist eine ganz gute Frage und es war wie so oft im Leben eigentlich ein bisschen auch Zufall.
00:02:34: Und ich war natürlich wie du in der Akutmedizin, ja mein gemeinsamer Vergangenheit.
00:02:38: Genau.
00:02:39: In Würzburg und da konnte ich mir zunächst mal gar nicht vorstellen, in die Rehe herzugehen.
00:02:45: aber dann habe ich einmal ein wissenschaftliches Projekt zusammen mit Prof.
00:02:49: Kesselring in Valenz in der Schweiz gemacht und hab im Rahmen dessen dann ihn da auch mehrmals besucht und habe eigentlich tatsächlich gesehen sinnvoll Rehabilitation ist.
00:03:00: Und ich habe gesehen, wie war das der Kesselring?
00:03:03: Man kennt ja wahrscheinlich sehr viele ein charismatischer Arzt und Wissenschaftler Wie der Begeistert von Reha geredet hat, wie er mir die Erfolge der Reha gezeigt hat und was ich vor allen Dingen gesehen habe ist dass die Neurologie gar nicht so unterschiedlich ist.
00:03:21: Sodass man darauf aufsatteln kann und Reha ist wirklich tatsächlich etwas sehr hilfreiches.
00:03:26: und wieder das Angebot kam in die neurologische Rehabitation zu gehen.
00:03:30: da hab' ich dann tatsächlich nicht lange gezögert.
00:03:33: Ja muss auch sagen Kesselring war ja sicherlich jemand der auch so die Wissenschaften in die Reha gebracht hat Also eigentlich ein Feld, das auch durchaus attraktiv ist für Wissenschaftler.
00:03:40: Unbedingt
00:03:41: ja und wo es noch viel zu tun gibt in Deutschland sind wir da sehr weit hinten dran.
00:03:47: Ich war gerade auf dem RIMS-Kongress in Prag und der er schon sehr von anderen europäischen Ländern dominiert.
00:03:54: Deutschland ist nicht gut vertreten.
00:03:56: Warum?
00:03:57: Weil wir eigentlich keine wirklich gute Historie haben was die Akademisierung der therapeutischen Berufe angeht.
00:04:06: Lehrberufe, Physiotherapie, Ergotherapie.
00:04:09: Logopädie, man liebt Psychologie ausgenommen und das sind die anderen Länder wie Niederlande, Belgien, Italien deutlich weiter.
00:04:17: Obwohl
00:04:18: man ja auch sieht dass sich bei uns so ein bisschen ändert.
00:04:20: jetzt so langsam.
00:04:20: So
00:04:21: langsam?
00:04:21: Ja aber Rehabilitation ist auch nicht wirklich universitär verankert.
00:04:27: Jetzt macht ihr ja im Quellenhof vor allen Dingen oder ich habe eigentlich den besten Namen in Süddeutschland, sage ich jetzt mal für die Rehabilitation von MS-Patienten.
00:04:34: Ihr seid das MS-Reha-Zentrum kann man glaube ich so sagen.
00:04:38: Mich würde einfach mal so interessieren, ja wie sieht das aus bei euch?
00:04:42: Auf was konzentriert ihr euch?
00:04:44: Was ist euer Fokus auch in der Reha wenn die Leute zu euch kommen.
00:04:48: Ja also ich stimme dir dazu.
00:04:50: vor einigen Jahren hätte ich in aller Bescheinheit gesagt naja es sind wir vielleicht nicht aber mittlerweile glaube ich tatsächlich ist mir das Zentrum für MS-Rehabilitationen in Deutschland wenn ich sogar darüber hinaus Und wir denken letztendlich alle Verlaufsformen und alle schwere gerade ab.
00:05:06: Wir haben natürlich die Patienten, die man gemeinhin in der Reha verortet, die schwerer Betroffenen, die schwere funktionelle Einschränkungen haben, Schwierigkeiten mit dem Gen, rollstuhlpflichtig sind und dann eben etwas besser gehen wollen.
00:05:20: Wir aber auch das andere Spektrum.
00:05:24: Wir habe neu erkrankte, gerade neu diagnostizierte Patienten die immer vielleicht gar nicht ansieht, dass sie irgendwie Einschränkungen haben oder das in der MS haben und wo der Fokus auf Krankheitsbewältigung ist.
00:05:36: Und ein ganz großer Schwerpunkt, riesengroßes Problem, der MS ist die Fatigue, die erhöhte Erschöpfbarkeit, die eindeutig Alltag- und Leistungsfähigkeit im Beruf einschränkt.
00:05:47: Darf ich da gerade mal was fragen?
00:05:48: Weil es hat mich auch selbst interessiert wenn man tatsächlich dieses große Spektrum hat auch Patienten, die gerade mit der Erkrankung konfrontiert werden Ist das nicht von Nachteil, wenn die sozusagen das gesamte Vollbild der Erkrankung auch bei euch sehen?
00:06:02: Oder ist es ein Vorteil?
00:06:04: Ja.
00:06:05: Das ist ein Punkt, da sagen viele Kollegen geh mal nicht in eine MS-stessivische Reha zu den Neuerkrankungen weil dann siehst du einen Schicksal in zwanzig oder dreißig Jahren.
00:06:16: Das sind Einzelfällen so.
00:06:17: aber im Großen und Ganzen überwiegen die Vorteile.
00:06:20: Ja, ich habe viele Patienten die dann eben aus dem Grund erst nach zehn, fifteen Jahren überhaupt mal in die Reha kommen und die mir dann Unisono sagen.
00:06:28: Ich bin eigentlich blöd gewesen dass sich nicht schon viel früher gekommen wäre weil ich hätte mehr viel erspart wenn ich von Anfang an die Weichen richtig gestellte.
00:06:36: also im Großen und Ganzen hilft es und was wir immer wieder erleben das sind viel Aufklärung und Information auch am Tischen im Speisesalz stattfindet.
00:06:49: nach Hause geht und der Gesacher, das war extrem hilfreich.
00:06:53: Die Information die Gespräche mit den Mit-Patienten und egal ob sie jetzt auch neu erkrankt sind, dass gleiche Schicksale haben oder einen kleinen Stand haben oder ob die schon weiter fortgeschritten sind und dann eben helfen können im Einzelfall gibt es schon auch Patienten die dann Angst haben.
00:07:08: beim Großen und Ganzen überwiegen eigentlich die Vorteile.
00:07:12: Und vielleicht wirklich noch mal konkret, weil ich glaube wir wissen das in der akut Medizin gar nicht so genau.
00:07:17: Wie läuft es bei euch?
00:07:18: Also was macht ihr mit den Patienten?
00:07:20: Was ist euer therapeutischer Fokus auch wahrscheinlich individuell unterschiedlich denke ich mal.
00:07:24: aber so grob skizziert
00:07:27: wie also neurologische Rehe ist tatsächlich erstmal störungspezifisch.
00:07:31: ja Es gibt mittlerweile auch ganz gute Wirksamkeitsnachweise wissenschaftliche Wirksamkeit Nachweise Evidenz das Reha wirkt, aber immer nur dann wenn es eben störungspezifisch ist.
00:07:42: Also ich muss das trainieren üben was besser werden soll.
00:07:45: irgendwas unspezifisch machen nützt nichts.
00:07:48: also wenn ich Kognition verbessert haben will da muss ich genau wissen wo ist das kognitive deficit und dann kann ich das gezielt trainieren.
00:07:55: deswegen hilft auch nichts Wenn man das macht was viele Kollegen im Vorschlag an Kreuzwort Rätsel zu DOKO.
00:08:02: Es muss schon spezifische sein Und dann geht's eben darum auf den Patienten ab Stimmt, zielorientiert.
00:08:09: Wo sind seine Beschwerden und was möchte er erreichen?
00:08:12: Und deswegen ist es auch eine individuelle Therapie.
00:08:15: Diese Gespräche führt ihr wenn die zu euch kommen.
00:08:17: Das ist Teil der ärztlichen Aufnahme.
00:08:21: Die Leute kommen wahrscheinlich nicht mit Zielvorstellungen zu euch.
00:08:24: Ja, doch
00:08:25: manche schon.
00:08:25: Das ist ja unterschiedlich.
00:08:27: Manchmal habe ich tatsächlich paar Zeiten die sagen alles soll besser werden.
00:08:29: Naja es ist ein bisschen schwierig.
00:08:32: Alles ist vielleicht zu viel.
00:08:33: jetzt konzentrieren wir uns mal auf dem Partying und vor allen Dingen sollte es möglich spezifisch sein also messbar.
00:08:40: wenn mir jemand sagt hatte auch Mal Ich möchte fünfhundert Meter gehen weil mein der Weg von meinem Wohnung bis zur S-Bahn Hallestelle sind fünfhundert Meter.
00:08:52: Und das muss ich morgens zurücklegen können, das muss sich abends zurücklegen und dann kann ich
00:08:56: arbeiten.".
00:08:57: Ja?
00:08:57: Ich hatte aber wirklich eine Patientin.
00:08:59: die war so erschöpft an, die hat es am Abend gar nicht mehr geschafft, sie hat sich ihnen wieder ein Taxi geholt.
00:09:05: Dann ist das Ziel, fünfhundert Meter zu jeder Tageszeit zuverlässig bewältigen zu können.
00:09:10: Noch mal aus Interesse gefallen wie ist denn das Motivationslevel der Patienten?
00:09:15: von vornherein auf eurer Linie, ich will auch Ziele erreichen.
00:09:18: oder hat man das auch manchmal so weil es ja doch irgendwie auch eine Leistung ist die manchmal so von außen aufgedrückt wird.
00:09:24: Mach mal!
00:09:24: Das gehört dazu oder so?
00:09:26: Nee, die meisten sind schon hoch motiviert tatsächlich.
00:09:29: Die meisten sind
00:09:29: gut motiviert.
00:09:30: Also sie betroffenen auf jeden Fall.
00:09:31: Ja.
00:09:32: Sie wollen was erreichen und haben gute Vorstellungen im Einzelfall.
00:09:36: Ist manchmal ein bisschen schwierig aber dem meisten sind wirklich hochmotiviert und machen mit mir den kann man wirklich sehr sehr gut arbeiten.
00:09:42: Jetzt mit der motorischen Rehabilitation Können wir uns alle noch ganz gut vorstellen, aber du hattest ja eben schon mal die Fatigue erwähnt.
00:09:48: Die hat wirklich eine große Rolle spielt und auch ein schwerfassbares Symptom.
00:09:52: Was macht ihr da?
00:09:53: Ja so schwer fast weiß das gar nicht mehr.
00:09:55: Wir haben mittlerweile ganz gute Daten dass die Fatique objektivierbar ist entgegen der landläufigen Meinung, dass das was rein subjektiv ist.
00:10:03: Wir können das objektivieren indem wir die Aufmerksamkeitsintensität messen.
00:10:07: Das sind sehr basale Aufmerksamkeitsfunktion.
00:10:10: Was testet man da genau?
00:10:12: Da hat
00:10:12: es ein Computertest einfacher Reaktionszeit einfache Aufgabe muss man eine Taste drücken mit irgendeinem Tattest mit der Tab.
00:10:18: Genau, Testbatterie zur Aufmerksomkeitsprüfung.
00:10:21: Das machen wir im Vormittag und am Nachmittag und dann kann man sogar ein bisschen differenzieren zwischen Fatigue als ein überdauerndes Merkmal Fertigabilität dieser Erschöpfbarkeit, wo wir jetzt auch sogar differenziell behandeln können.
00:10:35: Wir haben ganz gute Erfahrungen mit der Gleichstromstimulation, die aber wohl nur bei der Fertighabilität, also bei der Erschöffbarkeit im Laufe des Tages zunimmt, wirkt.
00:10:45: und dann bieten wir diesen Patienten eine ganze Reihe von Möglichkeiten an.
00:10:49: Auch das ist evidenzbasiert.
00:10:51: Kognitive Verhaltenstherapie, also psychologisch geleitete Therapie, dann Ausdauer- und Krafttraining Gibt sehr gute Evidenz, dass das hilft.
00:11:00: Ganz am Ende auch ein medikamentöser Therapieversuch mit Modafinil ist zwar nicht dafür zugelassen aber hilft manchen und die bezahlen es dann halt unumständig auch selber.
00:11:11: Aber es hört sich auch schon nach einem ziemlich dichten Programm.
00:11:13: also kein Urlaub der da bei euch gemacht
00:11:15: hat?
00:11:15: Ja ich habe ja immer in meinen Begrüßungsveranstaltungen sie sind hier nicht so Wellness zum Wellness Wochenende oder Wellness Aufenthalt sondern es ist Trainingslager.
00:11:24: harte Arbeit tatsächlich.
00:11:26: Wo wir dabei sind, wir haben ja auch viel gemeinsam mit Sport und Multiple Sklerose gemacht.
00:11:32: Wie ist denn der Stellenwert im Moment so von Sport Training?
00:11:36: Ja, groß
00:11:38: wird immer mehr.
00:11:39: Wir hatten bis vor einigen Jahren noch gar keinen Geräteraum.
00:11:44: Es haben wirklich einige Möglichkeiten für das Geräte-Training.
00:11:50: Wir haben Ergometer mit und ohne Laufband, wir haben Seilzüge, wir machen Hit High Intensity Intervallsraining was extrem gut ankommt gerade bei den Patienten die eben körperlich, motorisch recht fit sind.
00:12:05: Aber halt diese Fatigue haben wir machen Nordic Walking, wir machen Yoga sogar anstrengendes Yoga also immer noch eine ganze Menge im sportlichen Bereich.
00:12:14: Jetzt ist natürlich dann die Frage wenn ihr die so richtig ran nehmt sag ich mal ganz umgangssprachlich wie geht es miteinander weiter?
00:12:21: Die sind auf einem großen Niveau wahrscheinlich aber euch auch angekommen total motiviert.
00:12:26: Rast kommt dann danach.
00:12:28: Erstens die Motivation ist schon ein wichtiger Punkt, kennen wir ja alle.
00:12:32: Jemanden bei der Stange zu halten dass er längere Zeit Sport macht ist extrem schwierig.
00:12:37: Jeder weiß Sport und Bewegung sind wichtig für uns alle.
00:12:40: Aber die Motivation dafür.
00:12:42: Gut, in der Reha legen wir den Grundstand für die Motivertion.
00:12:46: Dann habe ich auch viele Patienten denen sagen ja jetzt bin ich motiviert.
00:12:50: Ich mache jeden Tag zwei Stunden Sport und habe gesagt ne das machen sie nicht halten sie ihnen durch.
00:12:54: Machen Sie lieber fünf Tage die Woche eine halbe Stunde Sport.
00:12:57: Das ist dann auch gut.
00:12:59: aber da ist es tatsächlich so dass viele dann in einen Loch fallen.
00:13:03: mit der weiterführenden Therapie Bei der Schwerer Betroffenen empfehlen wir natürlich Physiotherapie, das ist auch ein Problem.
00:13:10: Was Budgetfragen angeht und was Verfügbarkeit von Physitherapien angeht.
00:13:15: Reha-Sportgruppen für MS sind auch rar gesellt.
00:13:18: aber mit dem MS Intaktprogramm haben wir ganz gute Erfahrungen gemacht, dass man das dann im Nachgang zur Reha sinnvoll einsetzen kann um damit eben die Effekte der Reha längerfristig zu erhalten.
00:13:33: Aber es ist wahrscheinlich schon auch ein Thema der Verhaltensänderung.
00:13:37: Kriegt man das in der Zeit hin?
00:13:40: Zum Teil ja, aber es muss halt wieder aufgefrischt werden.
00:13:42: Deswegen ist es nicht eine einmalige Sache der neurologische Rehabilitation gerade für chronisch kranke sondern muss man immer wiederholen und wir empfehlen eigentlich bei jemandem die Einschränkung hat dass man das einmal im Jahr dann wiederholt.
00:13:54: Das ist
00:13:54: total erwünschungswert wäre.
00:13:56: ich meine wir sehen uns ja auch in der Kultmedikationssituation im Prinzip diese Rhythmus kriegen, aber ist ja manchmal mit den Kostenträgern auch schwierig?
00:14:06: Das ist schwierig.
00:14:07: Im Sozialgesetzbuch steht er tatsächlich drin, dass eine Reha-Maßnahme nicht vor Abelaufen vier Jahren wiederholt werden kann.
00:14:12: Genau
00:14:13: das kommt dann immer
00:14:14: her.
00:14:14: Darauf verweisen wir Sachbearbeiter weder sowohl der Krankenkassen wie die Rentenversicherung.
00:14:19: Aber es steht auch im Nachsatz drinnen, es sei denn aus medizinischen Gründen ist es vorher nötig.
00:14:23: also mit dem Passus schaffen es viele, da sie tatsächlich einmal im Jahr kommen
00:14:27: Und da würdest du auch ganz klar den Fokus sehen, eigentlich sollte das einmal pro
00:14:31: Jahr sein.
00:14:33: Gibt es denn auch Grenzen?
00:14:34: Also Menschen die eigentlich nicht rehabilitierbar sind?
00:14:39: Provokative Fragen?
00:14:40: Ja, das ist sehr provokativ.
00:14:41: Ich habe ja die Haltung kein MS-Betroffenes austherapiert.
00:14:45: Das ist ein fürchterliches Wort.
00:14:48: Was ich grundsätzlich ablehne und das trifft dann auch für die Reha.
00:14:51: aber natürlich wenn einer nicht motiviert ist, das is das Wesenliche.
00:14:54: Wenn einer gar nicht will!
00:14:56: Ja, dann geht's halt nicht.
00:14:58: Dann macht es auch gar keinen Sinn.
00:15:00: Jetzt ist ja unter dem eigentlichen Schwadruck natürlich Reha immer so ein Thema.
00:15:07: was immer genannt wird aus deiner Sicht Nicht so gut, ne?
00:15:12: Nee gar nicht gut.
00:15:13: Weil natürlich Reha hilft Menschen wieder ins Leben zurückzubringen.
00:15:17: Sei es mit MS sei es beim Schlaganfall um den Alltag wieder bewältigen zu können um die berufliche Leistungsfähigkeit möglichst lange auch zu erhalten und das hilft dem Betroffenen definitiv.
00:15:29: wir sehen die Effekte.
00:15:31: Wenn wir jemand immuntherapeutisch behandeln, sehen wir keine Effekte.
00:15:34: Wir sind froh, wenn er stabil ist und keine Schübe hat oder eine zunehmende Proposenz hat – egal mit welchem Präparat eigentlich!
00:15:41: Aber in der Rehe sehen wir eine echte Verbesserung.
00:15:44: Und zwar manchmal eine ganz gewaltige Verbesserungen.
00:15:47: Wenn man die EDSS bemühen will, ist es manchmal ein bis eins Komma fünf Punkte, manchmal sogar zwei.
00:15:51: Das ist schon gewaltig mehr?
00:15:53: Und es rechnet sich nicht nur für die Betroffene, sondern im wahrsten Sinne des Wortes.
00:15:57: Rechnete würde es sich das auch für die Gesellschaft rechnen?
00:16:01: Die Rentenversicherung veröffentlicht jedes Jahr ihre Zahlen und die sagen eindeutig jeden Euro den die Renten Versicherung in die Reha hinein steckt.
00:16:10: Rechnet sich doppelt und dreifach.
00:16:13: nach zwei Jahren kommt das vier bis fünffach zurück.
00:16:17: Du hast vorhin am Vorgespräch auch gesagt Wir machen so wenig Prävention.
00:16:21: Ja,
00:16:21: definitiv!
00:16:22: Wir investieren ein Großteil unseres Budgets und das ist ordentlich.
00:16:26: Die gesetzlichen Krankenversierungen geben pro Jahr dreihundertsechzig Milliarden an Leistungsausgaben aus und davon ist eins Komma fünf Prozent.
00:16:34: Prävenzion und Rehabilitation und es ist definitiv zu wenig.
00:16:39: Definitiv ja und wenn man sich politisch anguckt einfacher wird es
00:16:44: eher schwieriger.
00:16:44: Was würdest du dir wünschen?
00:16:45: So letztlich für die Zukunft Wenn Du auf dein Feld auch guckst.
00:16:49: Naja, was wir sehen jetzt schon wenn ich das Vergleich mit vor mehr als zwanzig Jahren wie im Quellenhof angefangen habe dass die Nachfrage nach Reha der Bedarf an Reha deutlich.
00:16:59: anzunehmend.
00:17:01: Und das glaube ich schon bei vielen, die Erkenntnis greift ist dass Reha wirklich nützt.
00:17:05: Anfang war es also Naja bisschen Wellness bis in Kur haben wir gerne auch mit einer Kurmaßnahme verwechselt.
00:17:11: mittlerweile glaube ich ist er schon angekommen.
00:17:13: ja was ich mir von der Politik wünschen würde ist dass es da auch ankommt und dass man wirklich viel viel mehr auch da investieren viel mehr Menschen mit chronischen Krankheiten mit multibler Sklerose die Möglichkeit geben würde zur Reha zu kommen.
00:17:26: Jetzt hast du ja auch viel Reha Forschung gemacht würde ich ganz gerne auch so zum Schluss nochmal hinkommen.
00:17:31: So vielleicht auch von deiner Seite noch mal eine Motivation, dass da ja wahrscheinlich wahnsinnig viel zu tun ist.
00:17:36: Ja
00:17:37: richtig!
00:17:37: Wir müssen uns natürlich auch in der Reha und im Bereich des symptomatischen Therapie der evidenzbasierten Medizin stellen.
00:17:44: Ist natürlich schwierig weil so doppelblind placebokondolente Studien im Bereich der Reher nicht so einfach ist.
00:17:50: wir haben es mal in der Hypotherapie versucht sind aber grandios gescheitert weil natürlich Patienten rausgekriegt haben ob sie auf dem Pferd sitzen oder nicht.
00:17:58: Das ist ja nicht das grudeligste Wahrgeschichte.
00:18:02: Ja, aber es ist so, wenn man die Maßstäbe anlegt dann geht es halt nicht.
00:18:06: Aber man kann's anders machen und einfach geblendet machen und dann sieht man schon tatsächlich auch Effekte.
00:18:12: und es geht darum auch Neue... Dinge zu entwickeln, neue Methode-Inventen aber die auch zu prüfen.
00:18:18: Wie zum Beispiel den Elektrostimulationsanzug der ja zum Teil gehypt wird.
00:18:22: ich glaube da habe ich schon ein bisschen wieder vorbei.
00:18:25: dieser Anzug der Stimulationen ermöglicht und wurde dann spassig besser werden.
00:18:30: so da ist halt die wissenschaftliche Daten noch ziemlich schlecht.
00:18:33: da brauchen wir zb auch gute belastbare Studien.
00:18:37: für mich war das auch so ein Beispiel wo man einfach sagen muss da wird irgendwas in dem Markt geworfen ohne dass man eigentlich vorher auch mit den Leuten gesprochen hat die es dann ja vielleicht auch erforschen oder beforschen könnten.
00:18:48: Würdest du so ein Beispiel, wo man sagt das war eine erfolgreiche Zusammenarbeit in irgendeiner ... Entweder nicht medikamentösen Arzt der symptomatischen Therapie und man sagen kann dass ist vielleicht maßgebend oder auch stilbildend in dem Bereich Irgendwie nicht, ne?
00:19:06: Ne.
00:19:07: Na ja, der Punkt ist halt... Da steckt nicht ganz so viel Finanzkraft dahinter wie bei der farmerzauberischen Industrie.
00:19:14: Das ist halt so.
00:19:15: Auch im Heilmittelbereich, Hilfsmittelbereich da ist es tatsächlich auch schon ein Medikamentösen-Bereich habe ich auch mal versucht, eine Studie mit Motorfinnil zu initiieren.
00:19:25: beider Fatigue und ich glaube die Studienübersäen zum Motorfinnel sind alle irgendwie uneinheitlich und nicht wirklich zielführend haben wir auch dazu geführt, dass es weder zugelassen noch erstattungsfähig ist.
00:19:38: Aber ich glaube wenn wir das kombinieren würden mit einer Aufmerksamkeitstestung.
00:19:43: Das ist dann auch erfolgreich wäre aber da ist es extrem schwierig ein Sponsor zu finden und die regulatorischen Hürden sind mittlerweile so hoch, dass man's mit Bordmitteln gar nicht machen kann.
00:19:53: Da braucht es tatsächlich mehr Finanzkraft dahinter und das ist schade ne?
00:19:56: Weil du hättest ja eben gesagt, da sieht man unmittelbare Erfolge, das hilft den Patienten unmittelbar weiter.
00:20:01: Nee, da bleibt mir eigentlich nur übrig dir viel Erfolg zu wünschen für auch das weitere.
00:20:07: Ich glaube was gut zum Ausgebracht ist wie wichtig es ist und wie wichtig unsere Patienten sind.
00:20:12: Peter ich danke dir dass du da warst und uns Einblicke gegeben hast in deiner Arbeit.
00:20:16: Ja vielen Dank fürs Gespräch!
00:20:21: Und damit werden wir wieder am Ende unseres Podcastes Nervennahrung dem Info-Podcast von Neurologen Für Neurologen.
00:20:28: Wenn Ihnen euch die Folge gefallen hat Dann empfiehlt uns bitte weiter.
00:20:32: Diese und weitere Folgen rund um das Thema Neurology finden Sie, findet ihr auf den gängen Podcast-Portalen.
00:20:37: Die nächste Folge wird in zwei Wochen erscheinen.
00:20:40: Mein Name ist Matthias Mollerau Und ich wünsche Ihnen, wünsche euch eine gute Woche Bis demnächst.