Diagnose RLS: Symptome richtig deuten und sicher behandeln | Nervennahrung 068

Show notes

In dieser Episode besprechen Prof. Mathias Mäurer und Prof. Juliane Winkelmann die hohe klinische Relevanz des Restless Legs Syndrom (RLS) in der neurologischen Praxis. Erfahren Sie mehr zu den praxisrelevanten Facetten des RLS, angefangen bei der Anamnese und Differentialdiagnostik über die zugrundeliegenden Ursachen bis hin zum konkreten medikamentösen Patientenmanagement | Nervennahrung 068

Folgende Themen werden im Verlauf des Gesprächs zwischen Prof. Juliane Winkelmann und Prof. Mathias Mäurer angesprochen:

  • (00:00) Intro
  • (00:35) Vorstellung Prof. Juliane Winkelmann
  • (02:04) Prävalenz des Restless Legs Syndrom (RLS)
  • (02:56) Intermittierende vs. dauerhafte Beschwerden
  • (03:59) Wie läuft die Anamnese und Diagnose des RLS?
  • (06:22) Symptome im Tagesverlauf
  • (07:19) Welche pathophysiologischen Faktoren bedingen das RLS?
  • (09:07) Gibt es spezifische genetische Testungen?
  • (12:12) RLS als Komorbidität?
  • (13:25) Mögliche Differentialdiagnosen
  • (15:15) Patientenmanagement: Welche Behandlungsoptionen gibt es?
  • (15:55) Die Rolle des Eisen-/Ferritin-Spiegels
  • (17:21) Optionen für die begleitende Medikation
  • (19:23) Die verschiedenen Therapiestrategien für RLS-Patient:innen
  • (23:08) Die Angst vor Augmentation
  • (24:20) Vergleich mit den amerikanischen Leitlinien
  • (26:26) Prognosen für den Krankheits- und Therapieverlauf
  • (28:12) Outro

Unser Archiv sowie weitere Episoden des Podcasts finden Sie zudem unter: https://fachportal.roche.de/services/podcasts/nervennahrung-fuer-neurologen.html

Diese Aufzeichnung stammt vom 06.05.2026. Die nächste reguläre Episode erscheint am 04.06.2026.

Produzent: Patrick Aust

Bei unserem Nervennahrung-Podcast handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit uns und Ihnen teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden!

Show transcript

00:00:10: Ich denke, die Prognose ist sehr gut.

00:00:13: Wir können im Allgemeinen eine gute Therapie anbieten.

00:00:16: Man muss die Medikamente immer anpassen im Laufe des Lebens – also das ist ganz wichtig und es gibt wenige Patienten, die dann wirklich im Verlauf schwerst betroffen

00:00:26: sind.".

00:00:35: Das war die Stimme von Juliane Winkelmann, meinem heutigen Gast mit dem ich mich über das Symdrom der unruhigen Beine besser bekannt als Resteslex-Syndrome unterhalten werde Und damit begrüße ich Sie zu einer neuen Folge von Nervennahrung, dem Podcast von Neurologen für Neuroloben.

00:00:50: Mein Name ist Matthias Meurer und ich leite die neurologische Klinik am Klinikum Würzburg-Mitte.

00:00:55: Zusammen mit meinem Kollegen Tobias Ruck, dem Direktor der Neuro logischen Klinika im Universitätsklinikum Bergmannshal Buchum, begrüßte ich im Wechsel interessante Gäste rund um das Gebiet der klinischen und wissenschaftlichen Neuroologie.

00:01:07: Mein heutiger Gast Professor Juliana Winkelmann ist Inhaberin des Lehrstuhls für Humangenetik an der Technischen Universität München.

00:01:13: Der Schwerpunkt ist die Forschung zu zugrunde liegenden molekularen Mechanismen von komplexen, genetischen und seltenen neurologischen Erkrankungen.

00:01:21: Dabei liegt der Schwer Punkt bei den Bewegungs- und Schlafstörungen.

00:01:24: Gemeinsam mit ihrem Team gelangen sie erstmals genetische Varianten für die häufigsten neurologischen Herkrankung wie zum Beispiel das Läcksyndroms und selte Erkranken wie die Dystonie zu identifizieren.

00:01:35: Daher ist Juliane Winkelmann die perfekte Gesprächspartnerin um mehr über RLS erfahren die patyphysiologischen Hintergründe, die klinische Präsentation und das Management dieser neklinischen Praxis.

00:01:46: Sehr häufige Erkrankungen, die uns nicht selten vor ziemlicher Herausforderung stellt.

00:01:51: Ja liebe Frau Wieckmann schön dass Sie heute dabei sind.

00:01:53: herzlich willkommen beim Nervennahrung Podcast!

00:01:56: Vielen Dank für die Einladung Herr Meurer.

00:01:58: ich habe mich sehr gefreut vielen dank.

00:02:01: Ich freue mich, dass ich mich heute mit Ihnen über RLS unterhalten darf.

00:02:04: Weil ich hab das Gefühl auch bei meiner Amulanz ... Das ist ein sehr häufiges Problem.

00:02:09: Teuscht es oder stimmt das, dass es häufig ist?

00:02:12: Bin ich ganz bei Ihnen.

00:02:14: Es gehört tatsächlich zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen.

00:02:18: Es hat eine altersabhängige Prävalenz also mit dem Alter zu und wichtig ist einfach zu unterscheiden.

00:02:26: trotz dieser Häufigkeit ist die Ausprägung sehr unterschiedlich.

00:02:30: Also man sagt immer in der Bevölkerung, älter als fünfundsechzig Jahre tritt das bei zehn Prozent der Bevölkerungen auf oder fünf bis zehn.

00:02:38: Also sag mal so häufig vergleichbar wie Migräne aber nicht jeder, der Rest des Lecks hat, dass es so schwer, dass er behandlungsbedürftig ist.

00:02:49: also es gibt Patienten die haben das paar Mal in ihrem ganzen Leben und andere sind sehr, sehr schwer betroffen.

00:02:56: Dann ist es schon richtig, dass es auch so intermittierende Fälle gibt die sich dann auch von dauerhaft sehr schwer Betroffene abgrenzen?

00:03:03: Ganz genau!

00:03:04: Weißens ist es so wenn das losgeht... Wenn sie das erste Mal auftreten diese Beschwerden, dann ist es eben ganz typischerweise so, dass das, Sie sagen, intermittient ist also das mal am Anfang vielleicht nur im Sommer auftritt oder nur mal ganz kurz einmal, zweimal im Jahr.

00:03:24: Und dann wird das meistens langsam immer häufiger und auch unangenehmer.

00:03:31: Also das ist so der typische Verlauf.

00:03:34: Wenn die Patienten zwei-, drei-, viermal die Woche beschwerden haben, dann ist es meistens so die Frequenz den sie dann mal einen Arzt aussuchen und fragen, was hab ich denn da eigentlich?

00:03:48: Was ist

00:03:48: das?".

00:03:49: Und wenn die dann so vor mir sitzen jetzt aus klinischer Perspektive.

00:03:53: Also auf was muss ich achten?

00:03:54: Was muss ich fragen?

00:03:55: wie ist so die klinische Präsentation oder Definition für das RLS?

00:04:00: Ja Sie haben es jetzt eigentlich ganz gut schon formuliert.

00:04:03: Das Typische ist eben dass die Beschwerden so klassisch sind Geschichte, die die Patienten erzählen so typisch ist.

00:04:12: Dass man sie eigentlich allein von der Schilderung von anderen Erkrankungen abgrenzen kann und dass man alleine durch die Schilderation die Diagnose stellen kann.

00:04:25: also es ist wirklich die Diagnose wird heutzutage auch weiterhin wirklich hauptsächlich durch den Befund durch die Anamnese mit dem Patienten gestellt.

00:04:38: Also eine rein klinische Diagnose ausreichend.

00:04:41: Was erzählen die denn so klassischerweise?

00:04:44: Ich weiß, für uns beide ist es wahrscheinlich jetzt nicht so fremd aber wir haben auch viele jüngere Hörer.

00:04:49: vielleicht könnten sie einfach noch mal sagen.

00:04:51: also was macht das RS eigentlich so klinisch aus?

00:04:56: Wann sagen Sie ja dass kann nichts anderes sein!

00:04:59: Die Patienten mit einem Rest des Lex-Syndromen schildern meistens sehr unangenehmen Missempfindungen in den Beinen.

00:05:09: In der unteren Extremität sag ich jetzt mal Leiden und ganz typisch ist, dass sie diese Empfindungen gar nicht mit einer bekannten Empfindungsqualität irgendwie beschreiben können.

00:05:22: das ist was da fehlen vielen oft die Worte.

00:05:25: ja das wird auch oft umschrieben.

00:05:27: sehr bildhaft man hier sagen es ist ein Gefühl in den beinen als ob jemand Mit Gummifedern, wie Feder in einem Polsterkissen.

00:05:39: Es muss ein sehr merkwürdiges Gefühl sein.

00:05:43: und dieses Gefühl, diese Sensation ist verbunden mit einem Drang die Beine zu bewegen.

00:05:52: Sobald die Patienten sich aufstehen und hergehen, ist es weg.

00:05:59: Und nach der Ruhephase tritt das dann wieder erneut auf.

00:06:03: Und ganz typisch ist eben, dass die Beschwerden zumindest am Anfang hauptsächlich am Abend oder in der Nacht auftreten.

00:06:13: Das kann sich verändern im Laufe der Zeit aber zumindest zu Beginn ist dieses komische Gefühl abends und in der nacht.

00:06:22: Das hätte ich nämlich gerne nochmal nachgefragt.

00:06:23: also das ist jetzt keine Ausschusskriterium wenn es auch tagsüber dann irgendwann mal berichtet wird weil man ja immer liest das ist schon häufiger nachts aber das kann dann auch tags über irgendwann kommen.

00:06:34: Das kann tatsächlich sein.

00:06:36: Bei schwerer betroffenen Patienten ist es dann so, dass die Beschwerden auch in den Tag hineinwandern, kann man sagen.

00:06:44: Die haben am frühen Abend oder am späten Nachmittag schon in Ruhe Situationen diese Beschwerde und bei ganz schwer betroffenem Patienten kann das auch mal Mittags sein In jeglicher Ruhe-Situationen.

00:07:04: ein komisches Gefühl auftritt in den Beinen und man muss sich bewegen.

00:07:07: Und

00:07:09: ganz schwer betroffene Patienten schildern tatsächlich sogar manchmal, dass sie das auch in den Armen haben.

00:07:15: Also das gibt es auch aber das ist dann schon wirklich eher selten!

00:07:19: Okay jetzt bin ich natürlich bei Ihnen an der richtigen Adresse einfach mal zu fragen was da steckt der Pathophysiologisch dahinter?

00:07:28: der Auslöse oder die Ursache für diese komische Situation.

00:07:33: Da müsste ich jetzt eigentlich sehr ausholen, aber um es mal einfacher zu schildern, sagen wir mal so ... Man weiß, es sind sicher viele Faktoren, die zur Entstehung eines Resteslecks-Syndrom beitragen und man weiß, dass das Resteslexsyndrom zu den sogenannten komplexgenetischen Erkrankungen gehört?

00:07:56: Das heißt, man hat immer genetische Risikofaktoren.

00:08:01: Also ein bisschen eine Anlage für diese Erkrankung hat man meistens geerbt mal mehr und mal weniger.

00:08:12: Und dann kommen aber – das ist auch ganz entscheidend auf jeden Fall Umweltfaktoren hinzu -, dass es wirklich zum Ausbruch der Erkankungen kommt!

00:08:23: Das heißt, es ist schon sinnvoll auch zu fragen.

00:08:25: Wie war das bei Vater-Mutter Angehörigen?

00:08:28: Wenn man so ein ERS-Patienten vor sich hat oder ...

00:08:31: Ja also das halte ich sogar für ganz wichtig denn Es ist unsere Erfahrung nach so dass ja fast die Hälfte der Patienten Berichten, dass andere Familienmitglieder ähnliche Beschwerden haben.

00:08:45: aber das kann auch innerhalb einer Familie Ganz ganz unterschiedlicher ausgeprägt sein.

00:08:51: Also von Schwerst betroffenen innerhalb einer Familie bis zu manchen, die sagen, das hab ich mal im Sommer.

00:08:58: Das ist jetzt nicht so schlimm.

00:09:01: Die Breite ist da sehr ... Die Spanne ist da groß?

00:09:05: Mhm!

00:09:06: Dass die Genetik eine große Rolle spielt, gibt's denn irgendwelche Tests, die man machen sollte oder empfehlen würden?

00:09:12: Oder ist es nur eine Erkenntnis, die aus der Grundlagenwissenschaft kommt, dass es genetisch ist?

00:09:18: Also wir kennen tatsächlich Über hundertsechzig genetische Risikofaktoren für die Erkrankung.

00:09:26: Also sehr viele, aber das sind genetischen Faktoren, die das Risiko sozusagen etwas erhöhen.

00:09:37: Jeder Mensch hat im Durchschnitt ein etwas höheres oder niedriges genetisches Risiko für eine oder speziell eben für das Gastyslex syndrome und ... Für die Diagnose selber brauchen wir das im Moment nicht oder noch nicht.

00:10:00: Die Diagnosis ist nach wie vor wirklich rein eine klinische Diagnos, aber es gibt zwei Punkte für die die Genetik interessant wird und das ist einmal um sozusagen einfach ein des genetischen Risiko zu, ich sag jetzt mal quantifizieren.

00:10:21: Dass man jemand sagen kann wie groß oder innerhalb einer Familie zum Beispiel?

00:10:26: Wie groß ist das genetische Risiko bei dir wenn das in der Familie auftritt dass du das auch mal bekommst?

00:10:35: ja und das kann natürlich insofern relevant sein weil man dann und daran arbeiten wir im Moment intensiv in der Forschung weil man da natürlich die Möglichkeit hat, das vielleicht vorzubeugen zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern.

00:10:57: Dass es da zum Auftreten eines RLS kommt und da kann man sogenannte polygene Risikoscores, die wir gerade entwickeln, die kann man sozusagen messen und dann ein genetisches Risiko bestimmen.

00:11:15: aber es gibt noch einen zweiten Punkt Und den finde ich noch viel spannender.

00:11:21: Da sind wir tatsächlich schon sehr tief in der Forschung drin und das ist im Moment auch etwas, an dem ganz intensiv geforscht wird.

00:11:30: Das ist eben wie man solche Polygenrisiko Scores dafür nehmen kann um ein Therapieansprechen vorher zu sagen.

00:11:41: Und möglicherweise eine Richtung vorzugeben ... um zu entscheiden, welches Medikament ist für welchen Patienten das Beste?

00:11:50: So weit sind wir noch nicht.

00:11:52: Aber ich bin da sehr optimistisch im Moment.

00:11:58: Wir haben Daten generiert und da sehen wir schon, dass das sozusagen in so eine Richtung geht.

00:12:05: Und das wäre natürlich für die Behandlung der Erkrankung ein großer Fortschritt.

00:12:11: Das ist ja hoch interessant eigentlich!

00:12:13: Jetzt ist es aber so bei polygenetischen Erkrankungen, spielt ja die Umwelt.

00:12:16: Das sagten sie ja schon eine ganz große Rolle und ich finde wenn man darüber liest, liest man auch dass das wirklich eine große Association mit ganz vielen Erkranken hat MS dann taucht die Schwangerschaft auf Nierenerkrankung Parkinson wo das ja irgendwie auch Gehör vorkommen soll.

00:12:29: kann man denn da noch von Erkrankung eigenständig sprechen oder ist es dann eher als Symptom von Erkrankungen zu sehen?

00:12:36: wie würden Sie das einordnen?

00:12:38: Es ist tatsächlich so, dass man weiß.

00:12:42: Das Patienten und das haben epidemiologische Studien sehr schön gezeigt.

00:12:48: Dass Patienten mit vielen anderen Erkrankungen, also man sagt komorbide Patienten, dass sie dann noch mal ein Risiko haben zusätzlich einen RLS zu bekommen?

00:13:04: Aber auch da muss man eine Anlage für ein RLS haben.

00:13:09: Und es gibt Erkrankungen, der tritt RLS gehäuft auf also weiß zum Beispiel bei Niereninsuffizienz oder ganz typisch auch bei Dialysepatienten.

00:13:19: Da kommt das sehr häufig vor wenn man eine genetische Veranlagung für einen RLS hat.

00:13:26: Genau, ich verstehe.

00:13:27: Das ist da schon eine wesentliche Rolle spielt keine Frage.

00:13:31: jetzt wird mich aber trotzdem sie hatten es noch gesagt das ist ja so typisch und man kann da fast gar nicht umhin die Diagnose zu stellen.

00:13:37: Aber gibt's denn Differenzialdiagnosen an die der Kliniker denken sollte die er in Betracht ziehen sollte wenn er diese Geschichten hört oder sagen Sie nee das ist so typischer braucht man eigentlich gar nicht an irgendwas zu Denken.

00:13:50: Ist jetzt mehr ne Fangfrage?

00:13:51: wahrscheinlich

00:13:52: Ja.

00:13:52: also sagen wir mal so Ich glaube wenn man Wenn man einige Patienten mal gesehen hat, denen zugehört hat, dann wird jeder Kliniker sagen, das ist ein Rest des Decks.

00:14:04: Aber natürlich laufen parallel immer die ganzen Differenzialdiagnosen mit und da muss man natürlich daran denken, dass jemand ... Neuropathie, die sich manchmal ähnlich äußert.

00:14:18: Dass man daran denkt oder auch mal eine vaskuläre Erkrankung wehnen und dass man solche Erkrankungen auch an den Beinen passieren, sag ich jetzt mal, dass man daran differenzialdiagnostisch denkt oder radikuläre Symptomen könnte auch mal sich so äußern.

00:14:38: Da sollte man differenziale Diagnostische immer dran denken ... uns natürlich ausschließen, wobei es gibt tatsächlich auch und das ist jetzt wirklich wie so eine Fangfrage.

00:14:49: Es gibt natürlich auch immer mal Patienten die haben beides, ja?

00:14:51: Die haben ein Rest des Leck-Syndroms und eine Polyneuropathie Und entsprechend muss man dann halt auch beides behandeln.

00:14:59: Ja also das ist dann schon bisschen tricky

00:15:02: Alles klar ich denke wir müssen nur über's Management sprechen.

00:15:07: Wie gehen Sie mit so einem Patienten vor?

00:15:09: Was machen sie, es ist ja nicht nur Medikamentöse-Therapie.

00:15:12: Es sind auch Grundkonditionen, die man mit dem Patienten bespricht und anspricht.

00:15:16: Bin ich da richtig oder ...

00:15:18: Genau also wir erheben immer sehr ausführlich die Ananese und dann wird gemeinsam entschieden ob man behandeln will oder nicht.

00:15:29: aber bevor wir behandeln fühlen wir natürlich noch andere Untersuchungen durch Insbesondere Blutuntersuchungen, weil man weiß, dass zum Beispiel RLS bei einem Eisenmangel auch geholft auftritt.

00:15:43: Und das sind dann z.B.

00:15:46: Dinge, die man therapeutisch als Erstes angehen würde, bevor man jetzt eine spezifische RLS-Therapie einleiten

00:15:54: wird.".

00:15:57: zu substituieren, ist das richtig oder?

00:16:08: Wir messen tatsächlich immer den sogenannten Ferritin-Spiegel.

00:16:12: Also das Speichereisen und der Spiegel sollte hoch normal liegen.

00:16:19: also er sollte wo da schön im Normbereich liegen sozusagen und nicht nur ganz knapp und deswegen ist es wichtig den zu messen und vielleicht auch mal im Verlauf nochmal zum Messen wenn sich die Beschwerden mal verschlechter auf haben.

00:16:35: Dann ist das oft eine Ursache, dass der Eisenspiegel unniedrig

00:16:39: ist.".

00:16:39: Aber Sie würden jetzt nicht zwangsläubig bei normalen Ferritin- und Eisenspiegeln eine Substitution vornehmen oder nennen?

00:16:46: Ich sag mal Ersatztherapie oder wie auch immer was nennt in dem Fall...

00:16:49: Also ich bin da schon auch vorsichtig weil sie wissen ja auch nicht wenn sie mit Eisentherapien, wenn jemand einen normalen anführenden Spiegel hat, auch einer Eisentherapie hat andere Effekte oder Nebenwirkungen, wie man das nennen will.

00:17:07: Der Eisenspiegel sollte eher mittleren oder hochnormalen Bereich sein.

00:17:12: Aber wir behandeln nicht jeden Patient mit Eisen?

00:17:17: Auf jeden Fall für die Hörer ganz klar nach dem Eisenspiegel gucken ist eine wesentliche Sache.

00:17:22: Wie sieht es mit Medikamenten aus?

00:17:23: Das scheint ja auch so ein Thema zu sein, wo man darauf gucken sollte.

00:17:27: Begleitende Medikation!

00:17:28: Ganz genau, wir schauen uns immer sehr gut an.

00:17:31: Was nehmen die Patienten für Medikamente?

00:17:33: Und da gibt es natürlich eine Reihe von Medikamenten, die auch mal ein Rest des Lex auslösen oder verschlechtern können.

00:17:41: Zum Beispiel Antidepressiva können häufig mal ein restes Lex machen.

00:17:46: Das ist so ein Klassiker zum Beispiel.

00:17:49: Also die Serotonin-Wiederaufnahmehämmer werden da immer genannt, ne?

00:17:52: Ist

00:17:53: natürlich auch

00:17:53: irgendwie blöd, weil manchmal ist das ja auch wirklich häufig in der Co-Medikation von, ich sag mal gerade... ...der Altersgruppe, die wir sehen mit Restless Leg.

00:18:04: Aber sie würden es dann schon absetzen wenn das...

00:18:07: Na ja, wir müssen gut zusammen mit dem Patienten arbeiten.

00:18:12: Was waren zuerst?

00:18:13: Weil erst mal die Erstdepression oder das Rest des Lecks?

00:18:17: und was spielt der Schlaf an einem Nese für eine Rolle?

00:18:21: Das ist auch immer ganz wichtig zu besprechen.

00:18:23: Gibt es Einschlagsstörungen, Durchschlapsstörung ... Und was hat denn den Arzt dazu veranlassten, Antidepressivung zu geben?

00:18:32: Also, wir setzen das nicht automatisch ab.

00:18:35: Manchmal ... macht es Sinn, das abzusetzen und mal auszukupieren.

00:18:39: In manchen Situationen kann man vielleicht auch ein anderes Antidepressivum geben was besser verträglich ist und besser mit einem RLS funktioniert.

00:18:48: Manchmal ist es aber auch so dass wenn man das Restleslex syndrome behandelt ja... Das ist dann tatsächlich wenn es zu einem Verbesserung des Schlafes kommt und insgesamt den Patienten wieder besser geht das auch eine depresive Symptomatik deutlich besser ist.

00:19:07: Das ist wirklich sehr individuell, das kann man gar nicht so allgemein oder pauschal sagen.

00:19:14: Das muss man mit jedem Patienten besprechen.

00:19:17: Gut aber auf jeden Fall auch einen Blick auf die Medikationsliste werfen bei den RLS-Patienten.

00:19:23: Was ist denn jetzt Firstline Treatment?

00:19:25: Wie fangen Sie als Expertin an jemandem zu behandeln?

00:19:29: Wir sind insgesamt, wir haben hier eine Spezialambulanz für Restles-Lex-Syndrom am Klinikum.

00:19:36: Ich sag mal, wir sind insgesamt tatsächlich eher zurückhaltend mit einer Medikamentösinteraktie.

00:19:44: Also wir geben gar nicht jedem Patienten automatisch sofort ein Medikaments, sondern wir überlegen uns das sehr gut, weil natürlich auch alle Medikamente Nebenwirkungen haben und man muss schon abwägen ... Was nimmt man für Nebenwirkungen in Kauf?

00:20:00: Und auf der anderen Seite ist diese Erkrankung sehr, sehr unangenehm oder schäußlich.

00:20:05: Man will natürlich auch wieder eine bessere Lebensqualität haben und dann macht es auch wirklich häufig sehr viel Sinn einfach Medikament zu nehmen.

00:20:15: Wir fangen meistens eben wie es so in den meisten Fällen ... Das fangen wir in Deutschland an mit einem sogenannten Dopaminagonisten.

00:20:31: Und bei sehr, sehr schwer betroffenen Patienten.

00:20:36: zum Beispiel kann man auch ein bestimmtes Opiat geben, das zugelassen ist für die Erkrankung.

00:20:44: Was neben sie da oder was ist zugelassend?

00:20:46: Welche Opiate kann man da ...

00:20:48: Also, Dopaminagonisten sind einige zugelassen und von den Opiaten ist tatsächlich Oxycodon-regat.

00:20:56: Ist tatsächlich für die Behandlung eines Resteslecks-Syndrom zugelassen.

00:21:01: Und das kann man auch wirklich für schwer betroffene Patienten manchmal in Kombination mit einem Dopaminaggonisten... sehr gut einsetzen, aber wirklich für schweres Betroffene Patienten.

00:21:14: Spielt es für Sie das Levodopa noch eine Rolle oder würden sie das grundsätzlich vermeiden?

00:21:19: Das spielt eine Rolle bei Patienten mit denen die sozusagen sehr vereinzelt Beschwerden haben also mal nur an einzelnen Tagen.

00:21:30: oder was wirklich und wo wir es ganz häufig einsetzen ist In so, wie soll ich sagen, Risikosituationen.

00:21:39: Also wenn jemand ... Und das bespreche wirklich auch mit jedem Patient individuell, wenn jemand zum Beispiel sagt, ja, ich hab einen Langstweckenflug und da sitze ich mehrere Stunden immobil was mach' ich denn, wenn es plötzlich kommt?

00:21:53: Oder ich geh in die Oper, Wagneroper, mehrere Stunden, was mache

00:21:57: ich?".

00:21:57: Das ist zum Beispiel so eine Situation, wo wir sehr gerne dann auch sagen wissen sie was.

00:22:03: Sie haben immer ihr Eldopa dabei und wenn sie in eine Situation kommen die wirklich sehr unangenehm ist da nehmen sie das weil das ist ein Medikament etwas relativ kurzfristig einfach wirkt.

00:22:16: Aber für die, sagen wir mal jetzt mehr, chronifizierten Fälle, die auch schwer betroffen sind, würden sie dann auf die Agonisten eher gehen?

00:22:22: Also so was wie Rotikotin und Opineurol, Pramipexol ... Das sind dann so die Medikamente, die Sie wahrscheinlich einsetzen.

00:22:30: Es sind Patienten, die fast jeden Tag Symptome haben und die quasi nicht so bei Bedarf mal an einzelnen Tagen was nehmen, die Fast-Jeden-Tag-Symptome haben.

00:22:40: Und da ist es ganz wichtig, dass man die sehr niedrig einsetzen.

00:22:46: Eigentlich alle RLS-Medikamente werden in einem Dosierungsbereich eingesetzt, der ganz niedrig ist und man sollte auch immer darauf achten, dass man wirklich nur eine Dosierung verwendet, die gerade die Symptome kopieren und nie mehr.

00:23:05: Nie darüber hinaus!

00:23:07: Weil die Angst vor der Augmentation eben so groß ist in dem Fall.

00:23:11: Können Sie dazu noch mal was sagen?

00:23:13: wie dieses Problem der Augmentation einzuschätzen ist, also wann man damit rechnen muss und wie man dann auch damit umgeht wenn das tatsächlich dann sogar schlimmer wird unter Medikationseinnahme.

00:23:23: Ja also Augmentation ist eine Phänomen, das kennen wir unter der Dopaminagentherapie bei RLS-Patienten die Anfang sehr gut auf die Medikamente angesprochen haben.

00:23:36: Und dann verändert sich die Wirkung, ja?

00:23:39: Die Beschwerden sind wieder stärker und dieses Medikament wirkt kürzer und es tritt auch ein Tage auf.

00:23:45: Dann nehmen viele Patienten mehr und das schaukelt sich so ein bisschen auf.

00:23:52: Wenn dieses Phänomen aufgetreten ... ist die Dosis errührt worden, dann muss man in vielen Fällen auch versuchen das erst mal wieder zu reduzieren oder in manchen Fällen sogar versuchen das ganz abzusetzen.

00:24:05: Aber weil wir wissen dass es dieses Phänomen gibt sind wir halt schon von Anfang an sehr zurückhaltend und prüfen genau ob eine Mediker Überhaupt Bedarf oder nicht?

00:24:18: Dann ist ja jetzt eigentlich so Gabapentin und Pregabalin noch in den Vordergrund geholt.

00:24:22: Ich glaube, die Amerikaner haben das sogar in ihren Leitlinien auf Firstline gesetzt.

00:24:26: Wie setzen wir das hier ein?

00:24:29: Wie stehen Sie dazu?

00:24:30: So ist es tatsächlich also Prega-Balinen oder Gabapentin Das ist auf dem amerikanischen Guidelines Therapie der ersten Wahl.

00:24:40: In Deutschland ist das nicht so.

00:24:41: Das ist auch nicht zugelassen für einen Rest des Legs.

00:24:44: Also Wir dürfen das tatsächlich nur verschreiben, wenn jemand zum Beispiel zusätzlich Schmerzen hat oder auch eine Polyneuropathie.

00:24:53: Also wenn wirklich die Indikation da ist, das zu verschreiben.

00:24:59: Aber ich halte das für in vielen Fällen, für eine sehr gute Therapie und viele Patienten Das kann ich Ihnen sagen, weil ich war ja selber eine Zeit lang auch in den USA und in Stanford.

00:25:16: Und habe da in der Abolanz Patienten gesehen und kennen sozusagen diese Medikamente aus meiner Zeit im USA aus.

00:25:23: eben First-Line-Druck ist.

00:25:24: Viele Patienten kommen mit dieser Medikation als einziges Medikament um First-line-Drucks sehr gut zu richten.

00:25:32: Also sollten wir

00:25:35: auf dem Schirm haben?

00:25:37: Und da spielt dann, glaube ich tatsächlich die Genetik wieder eine Rolle.

00:25:41: Denn das ist jetzt noch Zukunftsmusik.

00:25:43: aber ich könnte mir vorstellen dass man wirklich mit solchen polygenen Risikoskoren eine Stratifizierung vornehmen kann und dass man sagen kann dieser Patient eher auf Alpha-Tut-Belta-Liganten, also Gabapentin-Prikabalin oder ein Patient der eher auf Dopaminagonisten oder L-Dopa anspricht.

00:26:09: Oder das ist ein Patient, der klassischerweise einen Eisenterrapie bräuchte, dass man tatsächlich so Richtungen vorgeben kann?

00:26:22: Das wäre der Traum der Personalisierten Medizin.

00:26:24: Frau Wickelmann, darf ich Sie zum Abschluss noch mal eins fragen?

00:26:26: Wie ist die Prognose von den Patienten?

00:26:29: Kommen die aus dieser Schleife des Vesteslecks wieder raus oder ist das dann etwas, was lebenslang begleitet?

00:26:37: Ich denke, die Prognoße ist sehr gut!

00:26:41: Wir können die Therapie, wir können im Allgemeinen eine wirkliche gute Therapie anbieten.

00:26:48: Man muss die Medikamente ... immer anpassen im Laufe des Lebens.

00:26:52: Also das ist ganz wichtig, immer wieder sozusagen adjustieren und es gibt wenige Patienten die dann wirklich im Verlauf schwerst betroffen sind und die dann so schwer betroffen sein, dass sie einen Opiat brauchen.

00:27:10: Man sollte aber auch bei allen Patienten ... zum Abschluss vielleicht noch mal eine Bemerkung auch aus der Forschung.

00:27:21: Man sollte darauf achten, dass RLS-Patienten auch ein Risiko haben einen Diabetes zu entwickeln und das ist etwas, dass man auf dem Schirm haben sollte und auf den Patienten mitgeben sollte und die Ärzte wissen sollte, Einmal ein Hb, einen C-Wertmessen oder einfach wissen, dass es ein erhöhtes Risiko wäre, einen RL, ein Diabetes zu entwickeln und man dafür da das mal einfach auf ein Auge drauf ist.

00:27:55: Das ist nochmal zum Abschluss wirklich ein guter Tipp!

00:27:58: Frau Winkler mein herzlichen Dank für diese echt tiefen Einblicke in das RLS.

00:28:02: Es war total spannend sich mit Ihnen darüber zu unterhalten.

00:28:05: Herzlichen Dank fürs Dasein.

00:28:06: Sehr sehr gerne hat großen Spaß gemacht.

00:28:08: vielen Dank Hamolsa.

00:28:12: Ja, das war eine weitere Folge unseres Podcastes Nervennahrung dem Podcast von Neurologen für Neurologen.

00:28:17: Wenn Ihnen Euch die Folge gefallen hat so abonnieren Sie, abonniert Ihr den Postcast und empfehlt unser Kollegen weiter!

00:28:25: Sie finden den Podcast im Internet und auch auf allen gängen Portal wie Apple YouTube und Spotify.

00:28:30: In der nächsten Folge begrüßt ihr da mein Kollege Tobias Ruck.

00:28:33: Mein Name ist Matthias Meurer Tschüss und eine gute Zeit bis zum nächsten Mal.